Trilinguales Familienchaos

BASED ON TRUE EVENTS…

Gefühlte Jahrzehnte später melde ich mich mal wieder vom anderen Ende der Welt. Anscheinend bin ich nicht nur Lost in Southamerica..sondern auch in den Social Media. Shame on me und zurück zum Text:
In den letzten Jahrzehnten hat sich nicht nur die Jahreszahl auf meinem Taschenkalender verändert, auch meine aktuellen Standort-Daten haben sich etwas weiter nördlich bewegt…und zwar Richtung Brasilien.

Hier bin ich nun also, am Strand von Arraial do Cabo, der Favela mit paradiesischer Gesichtsschutzmaske , und bin so froh aus Argentinien geflüchtet zu sein. Mein Zuhause dort hatte sich langsam aber sicher in einen gigantischen Netflixbunker mit Medialuna-Aroma verwandelt und das, kombiniert mit dem Mangel an Bewegung, wurde dann doch etwas gefährlich für die Bikini-Figur.

Seit wir nun wieder in Brasilien sind, hat sich schon wieder so einiges getan. Ich habe das Gefühl, die ganze Action, die ich in dem ganzen halben Jahr Isolation verpasst habe, hat sich aufgestaut um in Brasilien regelrecht zu explodieren.
Von Funky-Partys mit Waffen und Drogen direkt vor unserer Haustür, Schießereien und Verletzten an unserem Strand, bis hin zu Angestellten, die ihre Ehefrau erdolchten oder wegen Drogendealerei ins Gefängnis mussten, war so ziemlich alles für eine actiosreiche Netflixserie dabei.

Ihr glaube mir nicht? Ja gut, würde ich mir auch nicht. Ich kann aber versichern dass ich diesen Blogeintrag ohne Caipirinha-Einfluss schreibe und zu 120% zurechnungsfähig bin.

Vielleicht glaubt ihr mir ja wenn ich ein paar mehr Details preisgebe.
Also erstens zu der Funky-Party: diese fand nahezu jedes Wochenende direkt am Strand vor unserer Hoteleingangstür statt. Jedes Mal wenn die Jungs aus der Favela schon vorher mit ihren fetten Musikboxen antanzten, war klar: Bis 7 Uhr früh wird hier nicht geschlafen. Nichtmal die doppelten Ohropax in den Ohren und Kissen drüber konnten verhindern, dass die ohrenbetäubende Funkymusik deine Fenster und dein Bettgestell regelrecht zum wackeln brachten. Wenn die Funky-Musik sich wenigstens nicht so anhören würde als ob jemand über eine CD kratzen würde, dann hätte ich ja vielleicht mitgefeiert, aber bei diesem unausstehlichen Lärm hätte ich am liebsten jedes mal um 3 Uhr früh die Musikboxen zetrümmert.
Die Schüsse, die ab und zu in der Nacht in die Luft gefeuert wurden, haben mich dann aber doch davon abhalten können mich zu beschweren. Lebend habe ich mich ehrlich gesagt lieber!
Am nächsten Morgen erwarteten uns jedes Mal verschlafene und erschrockende Gäste, leere Schusspatronen am Strand und ein filmreifes Kameramaterial auf unserem Überwachungssystem. Leider konnte wir damit nie zur Polizei gehen, da diese ebenfalls in diese Funkyparty verwickelt ist, und jede Beschwerde evtl. etwas negativ für uns enden könnte.
Wie der ganze Horror ein Ende nahm?
Durch noch mehr Horror!

Endlose schlaflose und nervenzerreißende Nächte später hörte ich eines Morgens Schusswechsel in meiner Nähe.
Da ich diese Art von Lärm schon gewohnt war von Arraial, ließ ich mich davon nicht weiter stören und studierte weiter.
Als ich dann Nachmittags runter ging ins Hotel, erfuhr ich von den Angestellten, was wirklich geschehen war: Eine Schießerei zwischen zwei Gangstern, direkt am Strand, am hellichten Tag, zwischen mehreren Touristen, genau vor unserer Nase. Der Schusswechsel endete mit einem Toten und zahlreichen verletzten Touristen. Holy Sh**! Ich fühle mich wie eine Spielfigur aus dem brasilianischen Film „Stadt der Götter“.
Naja, letzendlich, die Konsequenz aus diesem Drama: Ein Rudel an Militärwagen und Panzern aus Rio kam am nächsten Tag in Arraial angefahren, um in der Favela etwas „aufzuräumen“. Das hieß nicht nur das Ende einiger junger Leben, sondern auch das Ende der Funky-Fiesta. Alle Gangster und Kleinganoven verstecken sich seitdem oben in der Favela.

Nun zu unseren kriminellen Angestellten:
Oslan, unser Angestellter der Servicios Gerais, war eigentlich immer ein relativ unauffälliger Typ. Zu seinen Aufgaben zählte: Koffer tragen, Gäste zum Parkplatz begleiten, Salon fegen, etc. Ganz ruhig alles. Bis wir dann eines morgens die Zeitung aufschlugen und uns das Gesicht von Oslan entgegenblickte. Darunter die Überschrift: „Eifersüchtiger Ehemann ersticht seine Frau vor den Augen ihrer Tochter“.
Seit diesem Tag steckt Oslan hinter Gittern und hat nie wieder unser Hotel betreten.

Die zweite Dame, die uns einiges an Kopfschmerzen bereitete, ist/war unsere Küchenangestellte Ana-Paula. Nahezu jeden Tag kamen Beschwerden der anderen Mitarbeiter rein, die über die mangelnde Hygiene und den unausstehlichen Gestank von Ana-Paula klagten. Dabei sind ein paar Flaschen Shampoo in unserem monatlichen Basispaket für die Angestellten inklusive.
Aber gut, Nase zu und durch hieß es damals noch.
Dann kamen jedoch die Bergen an Attesten, bis man sie, wenn man Glück hatte, einmal im Monat in der Arbeit sah.
Langsam hatten wir die Nase wortwörtlich voll von dem Ganzen, und wir entschieden, sie zu feuern. Problem: Gleichzeitig ließ sich Ana-Paula auf einer Kostümparty schwängern..und laut dem brasilianischen Gesetz dürfen schwangere Frauen nicht gefeuert werden.
Also gut, gegen das Gesetz hat unser Hotel wohl wenig Chancen. So mussten wir weitere Monate eine Phantom-Angestellte bezahlen, die mehr an Ab- als an Anwesenheit glänzte und die unserer Adminstration an dem Stapel an Attesten der wöchentlich eintrudelte ordentlich an Arbeit bescherte.
Wenn Ana-Paula mal nach ein paar Wochen mit ihrer gut einstudierten Leidensmiene und dem wachsenden Babybauch erschien, machte sie jedes mal brav ihre Raucherpausen und verließ die Arbeit immer mit einem Feierabendbier. Das arme Kind wird jetzt schon mit Suchtsubstanzen zugedröhnt! Es wundert mich nicht mehr, dass sie eine Risikoschwangerschaft hat.
Kurz darauf kam dann die Erlösung: der Anruf vom Anwalt.
Ana-Paula und der Vater ihres Kindes wurden beim Drogenhandel Flagranti von der Polizei erwischt. Das heißt: Mann im Gefängnis, schwangere Frau in Haushaft. Und Orlanova hat einen kriminellen Angestellten weniger! Nochmal Glück im Unglück gehabt.
Und wir haben auch unsere Lektion aus dem ganzen gezogen: Kein neuer Angestellten betritt das Hotel, ohne dass wir vorher sein Vorstrafenregister gecheckt haben.
Eine Ana-Paula und ein Oslan waren schon zwei zu viel als das unsere Firma vertragen kann.

Fenjatla

Kurz und knapp: Mein Name ist Fenja, ich bin 25 Jahre alt, 1,56 groß/klein, blond, reiselustig und...naja..hier fängt die Reise auch schon an. Wenn du mehr über mich wissen möchtest dann bist du hiermit herzlich eingeladen meinen Blog zu lesen ;)

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