So, mit dieser Überschrift hat es der Corona Virus nun auch endlich offiziell in meinen Blog geschafft. Und diesen Virus kann ich nicht einfach durch einen Kaspersky Viren-Scan löschen, oder vom Arzt verschriebene Antibiotika loswerden…nein, dieser hier wird bleiben. Und dabei beziehe ich mich nicht auf erhöhte Körpertemperaturen oder Hustenanfälle, sondern vielmehr auf die Auswirkungen des Corona Virus.
Denn dieser Virus ist nicht nur irgendeine Diagnose vom Arzt. Dieser Virus macht Politik, füllt die Tagesthemen um 20 Uhr, zerstört die Wirtschaft; aber vor allem: Dieser Virus lässt die Welt still stehen…und ich bin mir ganz sicher, dass unsere Enkelkinder später einmal in den Geschichtsbüchern über diesen Corona Virus lesen werden; direkt nach dem Kapitel mit dem Holocaust und dem Mauerfall.
Obwohl ich geographisch gesehen mit dem Mauerfall vielleicht einbisschen fehl am Platz bin.
Wo ich gerade bin? In Buenos Aires. Die bunte Metropole Argentiniens, in die ich vor ein paar Wochen mit einem der allerletzten Flieger von Frankfurt über Rom gelang, kurz bevor die italienischen Flughäfen wegen der Corona Pandemie dicht machten. Zwei Wochen später kam dann auch der erste Corona-Infizierte nach Argentinien und ich musste meine Pläne, hier in Buenos Aires meinen Master zu beginnen, erstmal „aufs Eis legen“ (ich hoffe die Redewendung schmilzt nicht weg bei den 40 Grad Außentemperaturen hier).
Es fing damit an, dass Stück für Stück immer mehr Läden dicht machten, die großen Nachtclubs am Wochenende ihre Türen geschlossen hielten, im Supermarkt auf einmal die Nudel und Mate-Tee Regale leergekauft waren und zu meinem großen Leid der Semesterstart der Unis auf einen unbestimmten Zeitpunkt in die Zukunft verlegt wurde.
Seit der Präsident, Alberto Fernandez, vor 3 Wochen dann endgültig die obligatorische Quarantäne für ganz Argentinien ausrief, gehören Polizeipatrouillen auf der Straße zum täglichen Leben. Helikopter kreisen alle paar Stunden über unseren Köpfen, auf Facebook wird dazu aufgerufen, jeden anzuzeigen, der die Quarantäne missachtet, Nachbarn bespitzeln zwischen vorgeschobenen Vorhängen ihre eigenen Nachbarn und jeder der in französisch oder italienisch auf der Straße spricht wird in einem Abstand von mindestens 10 Metern mit verachtungsvollen Blicken umgangen.
Bis jetzt hatte ich im Ausland nie Probleme damit, mich als Deutsche zu outen, aber seit vor allem Europa derzeit im Fokus des Corona-Virus steht, wird um mich und meine französischen Mitbewohner oft ein weiter Bogen auf der Straße gemacht.
Es ging sogar so weit, dass uns die Türsteher, kurz bevor die obligatorische Quarantäne vom argentinischen Staat ausgerufen wurde, wegen unserer europäischen Abstammung nicht in die Bars rein ließen und sich die Tanzflächen in den Clubs um uns herum leerte, sobald wir diese betraten.
Diskriminierung? Dezent!
Das war dann auch das letzte was wir vom Nachtleben der Porteños miterleben durften, bevor die DJs ihr Pult auf die Balkone umsiedeln mussten.
Da nun auch das Nachtleben in Buenos Aires Opfer der Ausgangssperre wurde, montierte der Gang zum Supermarkt zum Highlight der Woche. Ich schminke mich sogar jedes mal dafür und mache mir ernsthafte Gedanken über die Auswahl meiner Schuhe…
Ansonsten hat sich der Rest meiner verbliebenen Produktivität in der Quarantäne auf einem minusstelligen Bereich eingependelt. Statt die Zeit aktiv zu nutzen und meinen großen Plänen nachzugehen wie französisch zu lernen, täglich einen Blogeintrag zu schreiben, stricken anzufangen und die Wohnung aufzuräumen, bin ich Dauerkonsument auf Netflix geworden und nutze in den Serienpausen intensiv meine Kindle Mitgliedschaft.
R.I.P.roduktivität! Dafür gewinnt das Wort Prokrastinieren nun immer mehr Bedeutung in meinem Leben.
Falls sich hier in Buenos Aires also in nächster Zeit etwas spannenderes als Müll rausbringen und Lebensmitteleinkauf ereignen sollte, werde ich hier davon berichten (natürlich unverzüglich und ohne Prokrastination!).
Bis dahin: Stay safe und un Beso enorme desde Argentina ❤
