Damit zitiere ich natürlich nicht die kleine Bibi Blocksberg aus unserer Kindheit, die mit ihrem Kartoffelbrei über die Wälder des Amazonas schwirrt und den Nilpferden Einhörner auf die Nase pflanzt. Nein, hier in Brasilien stammt das nicht nur aus einem Kinderbuch, hier in Brasilien redet man von wirklich ECHTER Hexerei!!
(Jetzt bitte nicht in Panik ausbrechen, denn ich hoffe die Großbuchstaben unterstreichen meinen triefenden Sarkasmus in dieser ganzen Sache)
Es ist kaum zu glauben, aber es gibt hier im Bundesstaat Rio doch tatsächlich eine Vereinigung der Hexen, die sogenannte „União Wicca do Brasil“ (UWB), die die ganze Sache todernst nehmen und laut deren Schätzungen etwa 40.000 Fluminense offiziell Hexenpraktiken ausüben. In ganz Brasilien sollen sogar ganze 300.000 Menschen regelmäßig Hexerei betreiben.
Alles natürlich totaler Quatsch!
…dachte ich anfangs und widmete meine wertvolle Aufmerksamkeit wieder überlebenswichtigen Fragen wie“welchen Sonnenschutzfaktor schmiere ich mir heute drauf?“ oder „welches Bikinioberteil passt am besten zu meiner Strandtunika?“.
Irgendwann bekam ich dann jedoch selber mit, wie abergläubisch die Brasilianer wirklich sind.
Wir wohnten übergangsweise bei einem Freund meines Freundes, dessen Apartment in einem riesigen Gebäudekomplex lag. Die Wände der Wohnung waren so hellhörig, dass man, jedesmal wenn die Nachbarn ihren Staubsauger benutzten, dachte es würde gleich ein Airbus 380 in die Wohnung krachen.
Eines Tages war es dann jedoch nicht der Lärmpegel des Staubsaugers, der uns so aus der Fassung brachte, sondern seltsame Laute und Geschrei, die aus der benachbahrten Wohnung zu uns rüberdrangen.
„Oh Gott, meinst du da wird gerade jemand misshandelt?!“ fragte ich meinen Freund damals panisch und wollte schon zum Telefon greifen um die brasilianische 110 zu wählen; der jedoch legte die Lippen an die Finger und bedeutete mir still zu sein.
So lauschten wir eine Weile den seltsamen Klagelauten; hörten lautes Klatschen, als ob jemand geschlagen werden würde und eine dominante weibliche Stimme, die irgendwelche Befehle laut auf portugiesisch ausstieß, untermauert vom Klatschen und anschließenden Klagelauten des Gepeinigten.
Ich fühlte mich wie in dem Horrorfilm „Exorzist“, nur dass das hier allemal viel realer war als so ein Gänsehautfilm.
„Die betreiben gerade eine Teufelsaustreibung“ flüsterte mir mein Freund damals ganz aufgeregt zu und bedeutete mir mit leuchtenden Augen, weiterhin diesem seltsamen Schauspiel zuzuhören. Man war ich froh, dass mein portugiesisch damals noch zu schlecht war, um jedes Wort zu verstehen. Wer weiß ob ich sonst heute noch so ruhig schlafen könnte…
Zwei Monate darauf (wir hatten dann Gott sie dank schon eine eigene Wohnung ohne Airbus 380 Wände), wieder ein „magischer“ Vorfall.
Ich war in der Küche des Restaurants und experimentierte an einer neuen Waffelkreation, als unsere Köchin und deren Gehilfin Camila (eigentlich heißt sie Robert) ganz aufgelöst reingeplatzt kamen. Bis ich drauf kam, dass sie mit ihren wild fuchtelnden Armen und austretenden Augen pantomimisch kein Huhn darstellen wollte, zog mich Camila auch schon nach oben in die Vorratskammer. Dort saß Denis, der andere Kochgehilfe, mit angezogenen Beinen wimmernd auf dem Boden. Hätte man mir gesagt, das der zu viel Koks geschnupft hatte, hätte ich das eher geglaubt als das was mir Camila dazu erklärte.
„Denis hat einen bösen Geist gesehen!“, kreischte Camila mit ganz hysterisch hoher (So hoch ein Transvestit eben kreischen kann) Stimme.
Ahja, ist klar, ein Geist. Hätten die mich nicht für etwas sinnvolleres von meinem neuen Waffelexperiment abbringen können?
„Ja und was machen wir jetzt mit diesem Geist?“, fragte ich Camila.
„Ja, den müssen wir natürlich suchen und aus Denis austreiben!“.
Logisch, hätte ich ja selber drauf kommen können.
Also durchleuchten wir mit der Handytaschenlampe jedes kleinste Eck der Vorratskammer, auf der Suche nach Denis´Geist. Ein bisschen doof kam ich mir da ja schon einbischen vor. Aber bevor ich den Gästen erklären muss, dass wir heute leider kein Essen im Restaurant reservieren können weil der Küchengehilfe von einem Dämon besessen ist, gucke ich lieber in den Milchpackungen nach, ob sich da nicht ein Geist drin versteckt hat.
„Finde ihn nicht!“, meinte ich nach ner halben Stunde Sucherei zu Camila und Denis, der immer noch wimmernd am Boden lag.
„Dann müssen wir ihn jetzt aus Denis austreiben“, meinte Camila.
Ja klar, logisch, hätte ich selber drauf kommen können.
Wir suchen ein weißes Handtuch, stülpen es Denis über den Kopf, er klammert sich an Camila und fängt an zu jaulen. Damit möchte er wohl zeigen, dass er gerade wahnsinnige Zahnschmerzen hat, oder dass der Dämon gerade aus ihm rausgesaugt wird (Wollte da jetzt aber nicht dazwischenplatzen und fragen, sonst hätten die noch gedacht, dass ich das alles lächerlich finde hust).
Als Camila dann das weiße Tuch lüftet, scheint ein ganz anderer Denis als noch vor ein paar Minuten vor mir zu sitzen. „Gehen wir an die Arbeit“, meinte dieser nur, ließ sich von Camila aufhelfen, stampfte zurück in die Küche, und ließ eine sehr blond dreinblickende Blondine und einen sehr erschrockenen Camila zurück.
Buhu! Der Dämon ist ja schneller aus diesem Denis rausgefahren als das Monatsgehalt am ersten Arbeitstag den Geldbeutel in Richtung Kneipe/Boteco verlässt.
So viel zu ein paar meiner dämonischen, magischen, rätselhaften Ereignisse. Und ich kann euch jetzt schon verraten: es wird auch weiterhin bei uns in Arraial spuken…