Trilinguales Familienchaos

Brasilianische Telefavela

…oder besser gesagt: Telefavela.
Denn ich denke, dass beschreibt am beisten meine Leben hier ein Brasilien. Eine Fernsehserie! Eine Fernsehserie, die zwischen Polizei, Favela und Funky Musik stattfindet- und in der ich eine der Hauptrollen spiele. Ob ich nun will, oder nicht..

Als ob Schusswechsel am hellichten Tag und Militärpatroullien vor meiner Haustür nicht schon für genug Adrenalinzufuhr sorgen würden, schaffte es dieses eine Wochenende auf Platz 1 der denkwürdigsten Momente meines Aufenthalts in Brasilien, bis jetzt. Dafür werfen wir einen Blick ein paar Kilometer abseits von Rio de Janeiro, genauer gesagt auf die kleine Küstenstadt Arraial do Cabo. Mit Stränden, die denen der Karibik alle Ehre machen und einer Unterwasserfauna, die jedes Taucherherz höher schlagen lässt.
Aber das sonnige Arraial hat auch so seine Schattenseiten, wie ich an besagtem Wochenende feststellen durfte.

Wie ich bereits erwähnt hatte, besitzt mein Freund dort ein Hotel. Letzte Woche hatte er einen brasilianischen Freiwilligenhelfer rausgeworfen, da dieser angefangen hatte Lebensmittel aus der Küche zu stehlen und dem Drogenkonsum verfallen war (Was sich eindeutig in seiner Arbeitshaltung zeigte). Und dann gings los: Der junge Brasilianer, Mineiro genannt, befreundete sich mit ein paar Jungs aus den Favelas an und begann, jeden Tag mit seinen bodyguardähnlichen Freunden in das Hotel zu stürmen und nach mehr Geld zu verlangen.Vorgestern brachte er dann das Fass endgütlig zum überlaufen: Er raste in das Restaurant der Pousada, fegte die umstehenden Möbel zur Seite und verkündete, noch in dieser Nacht das gesamte Hotel niederzufackeln. Als ob das nicht genug gewesen wäre, bedrohte er das Personal und verschwand wieder.
Ein Fehler, wie sich später herausstellte, und das nicht für uns, sondern für ihn.
Denn unter dem bedrohten Personal befand sich auch Mayla, die Putzfrau des Hotels, und ganz nebenbei auch noch die Cousine des Chefs von der Favela in Arraial.
Und mit der Familie des Oberhauptes des Favela sollte man sich besser nicht anlegen….

So ging mein Freund erstmal mit den beiden bedrohten Putzfrauen aus der Favela zur Polizei um Anzeige zu erstatten. Diese meinte nur ganz nüchtern: „Wenn der Typ in der Favela wohnt, dann ist das Angelegenheit der Favela“.
Tja, jedes Juristenherz hier würde wahrscheinlich nen Koller kriegen bei den Worten. Aber hier in Brasilien zählt wohl eher das Gesetz des Stärkeren.

So kam wie es kommen musste und mein Freund und ich fuhren mit der Cousine vom Chef die 90Grad steile Straße zur Favela hoch. So viel Adrenalin wie in diesem Moment hatte ich noch nichtmal bei dem Riesen Looping auf dem Oktoberfest verspürt. Ob es daran lag, dass ich befürchtete gleich mit dem Auto hinten rum zu kippen oder an der Tatsache dass wir uns gerade in einem Bandennest mit bis an die Zähne bewaffnetet Kriminellen befanden, kann ich nicht sagen. Fest steht: Ich bevorzuge eindeutig den Riesen Looping!
Wie ich befürchtet hatte, schaffte es das Auto bei dem Steilegrad nicht bis zu unserem Ziel, und mit einem letzten Stottern verabschiedete sich der Motor von uns.
Sofort kamen aus den Häusergassen eine Reihe junger bewaffneter Jungs, die mit den Waffen auf unsere Köpfe zielten. Ich glaube, ich hatte noch nie so viel Angst in meinem Leben und dachte, ich würde mit 23 an einem Herzinfarkt sterben.
Gott sei dank sprang Mayla mit erhobenen Händen in diesem Moment aus dem Auto und schrie, dass wir nur mit ihren Cousin reden wollten.
Als die Jungs Mayla erkannten, ließen sie Gott sei dank ihre Waffen sinken. Einer kramte sein handy raus und rief so wie sich später herausstellte, Maylas Cousin an.
Nach gerade mal 2 Minuten kam dieser dann auch endlich.
Der Kerl war vielleicht gerade mal 21!
In dem Alter war mein größtes Problem noch, wie ich die Hausarbeit bis zum Abgabetermin fertig schaffen sollte; und nicht, wer als nächstes umgebracht werden sollte!
Krank. Echt Krank!
Nachdem mein Freund ihm dann alles erzählt hatte, meinte dieser nur: „Alles klar, wir kümmern uns darum“ (natürlich auf portugiesisch ;)).
Naja, und so endete unser Aufenthalt in der Favela auch schon.
Und von diesem Tagan haben wir Mineiro nie wieder gesehen….
Manche sagen, sie hätten ihn am nächsten Morgen mit seinem Rucksack abreisen sehen, andere sagen, dass er auf „andere Weise“ beseitigt wurde.
So genau weiß das bis heute niemand, aber fest steht: in Brasilien lebt es sich wie in einem Actionsdrama. Telefavela!

Fenjatla

Kurz und knapp: Mein Name ist Fenja, ich bin 25 Jahre alt, 1,56 groß/klein, blond, reiselustig und...naja..hier fängt die Reise auch schon an. Wenn du mehr über mich wissen möchtest dann bist du hiermit herzlich eingeladen meinen Blog zu lesen ;)

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